Sonntag, 19. Juli 2020

Reduzierung der UST - Rechtsgrundlage

Wo steht eigentlich, dass sich die USt für die zweite Jahreshälfte 2020 ändert?

In § 12 UStG findet man jedenfalls nichts. Auch nicht in der tagesaktuellen Fassung auf "www.gesetze-im-internet.de".

Die Rechtsgrundlage ist § 28 UStG, der im Rahmen der Corona-Maßnahmen neu eingeführt wurde. Er "überschreibt" sozusagen den § 12 UStG.

Etwas missverständlich ist es, wenn es in Medienberichten heißt, das 2. Corona-Steuerhilfegesetz sei die Rechtsgrundlage. Das stimmt so nicht, denn dieses Gesetz ist ein "Artikelgesetz", das anordnet, dass verschiedene Paragraphen in verschiedenen Gesetzen geändert werden. Unter anderem wird hier eben der § 28 UStG eingeführt, den man dann aber auch im UStG findet und als Rechtsgrundlage zitiert. Das Steuerhilfegesetz lebt also nicht als eigenes Gesetz sein künftiges Leben und taucht nicht in Steuergesetzsammlungen auf.

Natürlich findet man derzeit den § 28  UStG wiederum auch nur im Internet, z.B. auf www.gesetze-im-internet.de. Denn in der  Gesetzessammlung, die Sie als Lernender irgendwann gekauft hatten,  (z.B. Steuergesetze im Beck Verlag, Rechtslage 2020) kann er logischerweise noch nicht berücksichtigt sein. Er wurde erst während des Jahres eingeführt.

Es sei denn, es ist während des Jahres eine Neuauflage herausgebracht worden, die die Änderungen enthält. Das hängt jetzt also davon ab, wann Sie diesen Blogartikel lesen.

Wer mit dem Text allein nicht klar kommt und Fragen hat, hier sind die "primären" Informationsquellen:
Das Bundesfinanzministerium hat am 1. Juli 2020 die finale Fassung eines begleitenden BMF-Schreibens, Stand 30. Juni 2020, zur befristeten Absenkung des allgemeinen und ermäßigten Umsatzsteuersatzes veröffentlicht.

Das BMF hat am 25. Juni 2020 eine FAQ-Liste mit Antworten auf wichtige Fragen zur Änderung der Umsatzsteuersätze veröffentlicht.

Das Bayerische Landesamt für Steuern (BayLSt) hat eine Kurzinfo zur befristeten Umsatzsteuersenkung zur Klärung verschiedener damit in Zusammenhang stehender Fragen, veröffentlicht. Sie beinhaltet verschiedene Beispielsfälle und Sonderregelungen.

Dienstag, 30. Juni 2020

Das Steuererklärungsformular - Eisigkalt kommt die Vision dir "Heilanstalt".

Gerade nehme ich mit Kursteilnehmern die Steuererklärungspflichten gem. §§ 149 ff Abgabenordnung durch. Da fällt mir wieder dieses Gedicht ein, das J. Ringelnatz verfasst hatte.

Damals hieß das Formular noch "Steuerbogenformular":


Wer hat zum Steuerbogenformular
den Text erfunden?
Ob der in jenen Stunden,
da er dies Wunderwirr gebar,
wohl ganz --- oder total --- war?
Du liest den Text. Du sinnst. Du spinnst.
Du grinst - "Welch Rinds" - Und du beginnst
wieder und wieder. Eisigkalt
kommt die Vision dir "Heilanstalt".

Für ihn? Für dich? - Dein Witz erblaßt.
Der Mann, der jenen Text verfaßt,
was mag er dünkeln oder wähnen?
Ahnt er denn nichts von Zeitverlust und Tränen?

Wir kommen nicht auf seine Spur.
Und er muß wohl so sein und bleiben.
Auf seinen Grabstein sollte man nur
den Text vom Steuerbogen schreiben.


Joachim Ringelnatz 1883-1934

Sonntag, 7. Juni 2020

3% weniger USt - kann man das mit 3 % Sonderrabatt auffangen?

Drei Prozent weniger Mehrwertsteuer - macht wieviel?

Ergebnis: Das macht 2,521 % Preisreduzierung aus der Sicht des Kunden.

Na - das ist doch mal was für das Fach "Kaufmännisch Rechnen". Oder eine Rechenaufgabe für  alle Unternehmer, die nie wirklich das Prozentrechnen gelernt haben. Die fragen sich nämlich, ob sie für das zweite Halbjahr 2020 vereinfacht 3 % Sonderrabatt auf alle Artikel geben können (statt mühsam alle Preisettiketten umzuschreiben).


Also von vorne:

Sonntag, 5. April 2020

Skitch als Whiteboard-Ersatz für Lehrer und Dozenten

Nach tagelangen Tests und Recherchen habe ich meine Lösung für einen Whiteboard-Ersatz gefunden. Ich arbeite mit dem Mac-Programm "Skitch", das eigentlich als Screenshot-Programm entwickelt ist. Aber mit dem Anlegen einer leeren Fläche (Datei-Neu) kann man das hervorragende Kommentierwerkzeug von Skitch verwenden, um die Tafel zu ersetzen.

Skitch ist allerdings nur ein einfacher Tafelersatz. Man kann keine animierten Grafiken einbinden, keine Webseiten, Präsentationen oder interaktive Elemente. Für solche Ansprüche bleibt m.E. nur die microsoft-Variante "Whiteboard" übrig, sofern man einen Zugang bzw. eine Lizenz dafür hat. Oder man arbeitet mit Openboard und riskiert Abstürze (zu den Alternativ-Lösungen siehe am Ende des Artikels)

Skitch lässt sich wie folgt einsetzen:
  • bei einer Videokonferenz über Bildschirm-Teilen. Dann schalte ich zum Programmfenster für Skitch und kann dann dort live zeichnen und schreiben.
  • Erstellen einer Aufzeichnung und Speichern als Video (Screencast); das Video kann ich dann live starten oder in eine Plattform hochladen.
Ich habe eine Demo erstellt. Anzusehen hier auf youtube: https://youtu.be/EOg43gfhHcc
Oder direkt hier, sofern die Einbindung klappt:







Auch Freihandzeichnen ist möglich. Dazu verwende ich das Grafiktablett XP-Pen G640, das mit 45 Euro nicht nur günstig war, sondern über amazon-Prime auch blitzschnell geliefert wurde (normalerweise haben Grafikbretter und webcams derzeit Lieferzeiten bis in den Mai hinein)

Windows

Skitch muss es wohl auch als Windows-Version geben, die aber seit 2015 nicht mehr weiter entwickelt wird: https://www.chip.de/downloads/Skitch-fuer-Windows_58173678.html
Ich habe aber weder dieses Programm noch die im CHIP-Artikel erwähnten Alternativen geprüft.  


Zum Making-Of des Videos


Da ich keinen Ton benötigte, machte ich den Mitschnitt durch das kostenlose (bei mir zusätzlich installierte) Screenshotprogramm "Monosnap", mit dem man auch Videos erstellen kann. Hätte ich auch einen Ton gebraucht, hätte ich mit der Software "Camtasia" gearbeitet. Monosnap ist kostenlos, Camtasia kostet Geld.

Windowsbenutzer, die ein kostenloses Screenrecorder-Programm suchen, mögen sich Jing ansehen, das es als kostenlose Variante gibt (soweit ich mich erinnere).

Andere Whiteboard bzw. Tafelersatz-Lösungen:

Mac - Schreibtisch aufräumen mit Hidden Me

Für das Erstellen von Screencasts oder für Live-Demonstrationen beim Fernunterricht (oder Skype etc.) ist es störend, wenn der Bildschirm voller Icons ist.

Die lassen sich aber nun mal bei den wenigsten vermeiden.

Mac-Nutzer können zwar einen zweiten Bildschirm anlegen ("Spaces"), aber dort sind die Icons genauso. Das ist also keine Lösung.

Nach einiger Suche kam die einfache und geniale Lösung: Die Software "Hidden Me" lässt mit einem Klick die Icons verschwinden und wieder auftauchen. Sie ist in der Grundfunktion sogar kostenlos.

https://apps.apple.com/de/app/hiddenme/id467040476?mt=12



In der oberen Taskleiste ist der "Umschalter"


Wer ein paar Dollar investiert, hat zusätzliche Möglichkeiten: dann kann er die Hidden-Me Funktion speziell an einzelne "Schreibtische" (Spaces) zuordnen.

Umgestiegen auf home-schooling

Sind die alle "at home"?
Ich bin bei vier Bildungsinstituten tätig, die in den letzten Wochen alle auf home-schooling  umgestiegen sind.

Am besten klappte es bei einem Berufsförderwerk. Dort haben die Kollegen in einem erstaunlichen und mustergültigen Einsatz quasi von einem Tag zum anderen auf home-schooling umgestellt. Und zwar mit der Lösung "microsoft teams" und den anderen zugehörigen Apps aus "Office 365". Am Montag war letzter Präsenzunterricht, ab Mittwoch betreuten wir schon die ersten Klassen.

Die Schule hatte schon vor langem eine eigene Plattform eingerichtet, bei der diese Apps nutzbar sind. Allerdings bestand noch nie die Notwendigkeit eines echten Einsatzes. Diesen mussten wir schnell improvisieren - ein System erarbeiten, "Teams" einrichten, Kanäle einrichten, die Schüler informieren, und den Umgang mit Videobesprechungen lernen. Das klappte alles weitaus besser und schneller, als wir vermuteten.

Zu meiner Überraschung stellte sich das Programm "microsoft-teams" als wesentlich angenehmer heraus als das moodle-Projekt.

Mit moodle arbeite ich schon länger, und zwar bei Fernlehrgängen für Fachwirte (Wirtschaftsfachwirt, Technischer Fachwirt etc.) an zwei anderen Bildungseinrichtungen.

Bisher nutzten wir es nur für die zusätzliche Kommunikation - emails an die Teilnehmer, Ankündigungen, zusätzliches Material etc.  Die umstellung auf eine intensivere Betreuung ist jedoch nicht so einfach - moodle bietet nicht so schöne Werkzeuge wie "teams". Deshalb gingen einige Dozenten improvisierender Weise dazu über, mit den Teilnehmern Skype und andere Lösungen zu fahren. Die Schulen selbst überlegen, microsoft teams für die Videokonferenzen hinzu zu nehmen.  Moodle hat durchaus auch einige Vorteile, was aber insgesamt überwiegt, wird sich noch zeigen.

Da ich hier derzeit wenig Termine habe, kann ich abwarten, wie sich das noch entwickelt.